KI an Hochschulen in NRW: Wer macht eigentlich was?

Auf der Learning AID in Bochum wurde am 1.9.26 das neue KI:Expertisezentrum.nrw öffentlich vorgestellt. NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes gratulierte zur Gründung. Das Zentrum bündelt die bisherigen Initiativen KI:edu.nrw, KI:connect.nrw und Open Source-KI.nrw. Es ist das zentrale KI-Vorhaben der Digitalen Hochschule NRW und wird vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

Das KI:Expertisezentrum.nrw arbeitet in drei Feldern: Kompetenz umfasst Schulung, Beratung, Vernetzung und Fragen des verantwortungsvollen KI-Einsatzes. Inferenz steht für den technischen Zugang zu leistungsfähigen, möglichst selbstgehosteten KI-Modellen und die dafür notwendige Hardware-Infrastruktur. Im Bereich Apps werden Anwendungen und Middleware entwickelt, die generative KI für Studium, Lehre und Verwaltung praktisch nutzbar machen. Das Zentrum führt damit genau die drei Ebenen zusammen, die bisher in den Projekten KI:edu.nrw, Open Source-KI.nrw und KI:connect.nrw getrennt bearbeitet wurden. Website: ki-expertisezentrum.nrw

Vorstellung des neuen KI:Expertisezentrum.nrw/v.l.n.r.: M.Persike, M.Bovermann, I. Brandes, P.Salden

Die Akteurslandschaft – Bund und NRW im Vergleich

Rund um KI und Hochschule ist inzwischen eine Vielzahl von Einrichtungen entstanden. Vereinfacht lässt sich die Akteurslandschaft wie folgt clustern:

FunktionBundesweitNordrhein-Westfalen
Politik & FörderungBundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR); Stiftung Innovation in der Hochschullehre (StIL) – Förderung von Innovationen in Studium und Lehre. Website: stiftung-hochschullehre.deMinisterium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MKW NRW) – Wissenschafts- und Hochschulpolitik des Landes. Website: mkw.nrw
Strategie, Vernetzung & KompetenzStifterverband; dessen Lernplattform KI-Campus; Hochschulforum Digitalisierung (HFD) als Initiative von Stifterverband, Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) und Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Websites: stifterverband.org/ki-campus · hochschulforumdigitalisierung.deDigitale Hochschule NRW (DH.NRW) sowie im Hochschulbereich das KI:Expertisezentrum.nrw mit dem Handlungsfeld Kompetenz. Website: dh.nrw
KI-Transfer & VernetzungVerschiedene bundesweite Netzwerke und TransferakteureKompetenzplattform KI.NRW – zentrale Anlaufstelle für das KI-Ökosystem des Landes und insbesondere für Vernetzung und Transfer zwischen Forschung und Wirtschaft. Website: ki.nrw
Modelle & technische InfrastrukturGesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen (GWDG) und das KI-Servicezentrum für sensible und kritische Infrastrukturen (KISSKI) – unter anderem KI-Dienste, Modelle und APIs. Websites: gwdg.de · kisski.gwdg.deKI:Expertisezentrum.nrw – Handlungsfeld Inferenz: gemeinsame Hardware-Infrastruktur und Zugang zu KI-Modellen für NRW-Hochschulen. Website: ki-expertisezentrum.nrw
KI-Anwendungen für HochschulenHochschulen, Lernplattformen, Campus-Management-Systeme wie TraiNex und spezialisierte EdTech-AnbieterKI:Expertisezentrum.nrw – Handlungsfeld Apps, unter anderem mit KI:connect; daneben Hochschulen und deren Softwareanbieter
Akteure in der hochschulischen KI-Landschaft in NRW/Bund

Das KI:Expertisezentrum.nrw ist nicht einfach ein weiterer Kompetenzanbieter. Es bündelt für den Hochschulbereich drei Ebenen in einer Struktur – Kompetenz, Infrastruktur und Anwendungen. Nicht verwechselt werden sollte das KI:Expertisezentrum.nrw mit dem KI.NRW. Die Kompetenzplattform KI.NRW ist beim Fraunhofer IAIS angesiedelt und versteht sich als zentrale Anlaufstelle für das gesamte KI-Ökosystem Nordrhein-Westfalens. Sie vernetzt unter anderem KI-Anbieter, Unternehmen und Multiplikatoren und soll den Transfer aus der Forschung in die Wirtschaft stärken. Das KI:Expertisezentrum.nrw ist dagegen spezifisch auf den Hochschulbereich ausgerichtet.

Und die privaten Hochschulen?

Für private Hochschulen sieht diese Landschaft allerdings etwas anders aus. Das KI:Expertisezentrum.nrw spricht zwar von Angeboten für Hochschulangehörige in NRW, ist aber unter dem Dach der Digitalen Hochschule NRW entstanden und stark auf die gemeinsam organisierte Hochschulinfrastruktur des Landes ausgerichtet.

Private Hochschulen benötigen daher zusätzlich eigene Zugänge, Verbände und spezialisierte Partner. Eine wichtige Rolle übernimmt der Verband der Privaten Hochschulen (VPH). Mit seinem KI-Kompass untersucht er regelmäßig den KI-Einsatz an privaten Hochschulen; mit dem KI Tool Pool stellt er konkrete Anwendungen und Orientierungshilfen für Lehre, Forschung und Verwaltung zusammen. Website: private-hochschulen.net

Hinzu kommen auf private Hochschulen spezialisierte Anbieter wie TraiNex. Über das Campus-Management-System können Hochschulen den Zugang zu KI-Modellen unmittelbar mit den Daten und Prozessen des Campus verbinden. Daraus entstehen konkrete Anwendungen – etwa Chatbots, RAG-Systeme, KI-Assistenten und agentische Funktionen für Studium, Lehre und Verwaltung. TraiNex beschreibt diesen Ansatz selbst als Verbindung von relevantem Hochschulkontext mit dem jeweiligen Sprachmodell und der direkten Rückführung der Ergebnisse in das Campus-System. Website: campus-management-system.de/KI.html

Randnotiz: Wenn KI auch zur Personalfrage wird

Auf der Learning AID wies Ministerin Brandes zugleich auf eine zweite Entwicklung hin: In den kommenden fünf bis acht Jahren könnten 30 bis 40 Prozent der Verwaltungsmitarbeitenden im Hochschulbereich in den Ruhestand gehen; ob ausreichend Ersatz gefunden werden kann, sei ungewiss.

Damit bekommt die aktuelle KI-Diskussion noch eine zusätzliche Dimension. KI ist dann nicht mehr ausschließlich ein Thema für bessere Lehre oder effizientere Prozesse, sondern zunehmend auch eine Frage, wie Hochschulen ihre Arbeitsfähigkeit erhalten.

Hier liegt der Querbezug zum TraiNex-Forschungsansatz „Workforce as a Service (WaaS)“: Digitale Agenten sollen perspektivisch nicht nur Antworten liefern, sondern innerhalb definierter Rollen und Rechte auch Routineaufgaben der Hochschulverwaltung übernehmen und damit fehlende Arbeitskapazität ergänzen. Mehr dazu unter http://waas.ki-campus.eu